01.09.2026

PPWR verändert den Verpackungsmarkt

Extrusionsblasformtechnik wird zum Schlüssel für den Einsatz von Rezyklaten

Berlin (D), 01.09.2026: Mit der neuen EU Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) beginnt für die europäische Verpackungsindustrie eine neue Phase. Verpackungen sollen künftig recyclinggerecht gestaltet, ressourcenschonender produziert und verstärkt aus recycelten Kunststoffen hergestellt werden. Für Hersteller von extrusionsgeblasenen Verpackungen bedeutet dies einen technologischen Wandel. Gefragt sind Produktionslösungen, die hohe Rezyklatanteile ermöglichen, Material und Energie einsparen und gleichzeitig eine konstante Produktqualität gewährleisten.

Für den Maschinenbau eröffnet diese Entwicklung neue Möglichkeiten: Nicht nur neue Maschinen, sondern auch die technologische Weiterentwicklung bestehender Anlagen kann einen wichtigen Beitrag zur Transformation leisten.

 

PCR stellt die Extrusion vor neue Herausforderungen

Post-Consumer-Rezyklate (PCR) unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Materialeigenschaften teilweise deutlich von Neuware. Schwankungen bei Viskosität, Schmelzindex, Farbe oder Verunreinigungen stellen hohe Anforderungen an Plastifizierung, Schmelzeführung und Prozessregelung.

Die Herausforderung besteht daher nicht allein darin, PCR grundsätzlich verarbeiten zu können. Entscheidend ist, hohe Rezyklatanteile reproduzierbar, wirtschaftlich und mit der geforderten Produktqualität zu verarbeiten.

Dafür müssen Extruder, Extrusionskopf und Prozessregelung als Gesamtsystem betrachtet werden.

 

Tri-Extrusion: Rezyklat dort einsetzen, wo es sinnvoll ist

Eine besonders effiziente Möglichkeit zur Integration von PCR bietet die Tri-Extrusion.

Drei Extruder versorgen dabei einen Mehrschicht-Extrusionskopf mit unterschiedlichen Materialien. Ein typisches Konzept besteht beispielsweise aus einer hochwertigen Außen- und Innenschicht sowie einem Kern aus PCR-Material.

Damit lässt sich der Einsatz von Neuware gezielt auf die Bereiche konzentrieren, in denen sie technisch erforderlich ist. Das Rezyklat wird dort eingesetzt, wo es seine Funktion erfüllen kann, ohne die Oberflächenqualität oder andere spezifische Eigenschaften des Produkts unnötig zu beeinträchtigen.

Das Ergebnis ist eine Kombination aus:

  • reduziertem Einsatz von Primärkunststoffen,
  • hohem Rezyklatanteil,
  • gezielter Materialverteilung,
  • hoher Produktqualität und
  • wirtschaftlicher Produktion.

Gerade bei Kanistern, Flaschen und technischen Hohlkörpern kann dieses Konzept erhebliche Vorteile bieten.

Der Extrusionskopf wird zum strategischen Baustein

Im Extrusionsblasformen ist der Extrusionskopf das Bindeglied zwischen Materialaufbereitung und eigentlicher Formgebung. Bei Mehrschichtanwendungen entscheidet er wesentlich darüber, wie präzise und stabil die einzelnen Materialschichten erzeugt werden.

Damit gewinnt der Extrusionskopf im Zuge der PPWR-Anforderungen eine neue strategische Bedeutung.

Bekum verfügt über umfassende Kompetenz in der Entwicklung und Auslegung von Extrusionsköpfen für anspruchsvolle Mehrschichtanwendungen. Ein Beispiel ist der 3BKW55-3, der für Tri-Extrusionsanwendungen mit zwei vertikal angeordneten Extrudern ausgelegt ist.

Die vertikale Extruderanordnung ermöglicht dabei eine kompakte Integration der zusätzlichen Extrusionseinheiten und schafft insbesondere bei Nachrüstungen interessante Möglichkeiten.

 

Neue Möglichkeiten für bestehende Maschinen

Die Umstellung auf Mehrschichtproduktion muss nicht zwangsläufig mit der Anschaffung einer komplett neuen Blasformmaschine verbunden sein.

Je nach Maschinentyp, vorhandener Extrusion, Platzverhältnissen und gewünschtem Produktionskonzept kann eine Nachrüstung des Extrusionssystems und des Extrusionskopfes eine wirtschaftlich attraktive Alternative darstellen.

Aus einer bestehenden Mono-Extrusionsanlage kann so eine Mehrschichtanlage werden – beispielsweise für die Verarbeitung von PCR im Kern.

Damit entstehen für Verpackungshersteller neue Perspektiven:

Bestehende Investitionen können weiter genutzt, Produktionsmöglichkeiten erweitert und gleichzeitig neue Materialkonzepte erschlossen werden.

Eine solche Nachrüstung kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn

  • ein bestehender Maschinenpark weiterhin mechanisch und elektrisch leistungsfähig ist,
  • neue Verpackungskonzepte zusätzliche Materialschichten erfordern,
  • PCR künftig stärker eingesetzt werden soll,
  • die Produktpalette erweitert werden soll oder
  • eine höhere Ressourceneffizienz ohne vollständige Neuanschaffung erreicht werden soll.

Die konkrete technische Machbarkeit hängt dabei immer von der vorhandenen Maschine, den Extrudern, dem verfügbaren Bauraum, den gewünschten Durchsätzen und der jeweiligen Anwendung ab.

Bekum: Maschinen- und Extrusionskopf-Kompetenz aus einer Hand

Diese Möglichkeit ist ein wesentlicher Bestandteil des technologischen Ansatzes von Bekum.

Als Hersteller von Extrusions-Blasformmaschinen verfügt Bekum nicht nur über Kompetenz in der Gesamtanlage, sondern auch über umfassendes Know-how in der Auslegung und Integration von Extrusionssystemen und Extrusionsköpfen.

Damit kann Bekum unterschiedliche Wege zur Umsetzung neuer Produktionsanforderungen betrachten: von der Neuanlage über die Erweiterung bestehender Maschinen bis hin zur gezielten Nachrüstung von Extrusion und Kopf.

Für Kunden entsteht dadurch ein entscheidender Vorteil: Die Frage lautet nicht mehr nur, welche neue Maschine benötigt wird, sondern zunächst:

Wie lässt sich der vorhandene Maschinenpark technisch und wirtschaftlich für die Anforderungen der nächsten Generation weiterentwickeln?

 

Nachhaltigkeit beginnt mit der richtigen Materialverteilung

Die Verarbeitung von PCR ist dabei nur ein Baustein. Nachhaltigere Produktion bedeutet auch, den Materialeinsatz insgesamt zu reduzieren und Energie effizient einzusetzen.

Bekum verfolgt diesen Ansatz beispielsweise mit leistungsfähigen HiPEx-Extrudern, präziser Wanddickenprogrammierung und modernen Mehrschichtkonzepten.

Durch die gezielte Platzierung der Materialien können Eigenschaften wie Festigkeit, Barrierewirkung oder Oberflächenqualität mit einem möglichst effizienten Materialeinsatz kombiniert werden.

Bei einer Verpackung muss nicht jeder Bereich aus demselben Material bestehen – entscheidend ist, dass jedes Material dort eingesetzt wird, wo es technisch gebraucht wird.

 

Von der PPWR-Anforderung zur technischen Lösung

Die PPWR wird den Verpackungsmarkt schrittweise verändern. Hersteller müssen sich mit Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteilen, Materialeffizienz und neuen Verpackungskonzepten auseinandersetzen.

Für die Extrusionsblasformtechnik bedeutet dies eine zunehmende Bedeutung flexibler Produktionssysteme.

Tri-Extrusion kann dabei eine Schlüsseltechnologie sein: Sie ermöglicht die gezielte Integration von PCR und eröffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten für Materialkombinationen und Produktdesigns.

Und sie kann mehr sein als eine Option für die nächste Generation von Maschinen.

Auch bestehende Anlagen können – abhängig von ihren technischen Voraussetzungen – durch eine gezielte Nachrüstung von Extrudern und Extrusionskopf für neue Produktionsanforderungen fit gemacht werden.

Damit wird der Extrusionskopf vom klassischen Maschinenbestandteil zu einem strategischen Technologiebaustein für die Transformation des Maschinenparks.

Bekum verbindet hierfür Maschinenbau, Extrusionstechnologie und Anwendungskompetenz. Ziel ist nicht nur, neue Maschinen für die Kreislaufwirtschaft zu entwickeln, sondern gemeinsam mit Kunden Lösungen zu schaffen, mit denen sich bestehende und neue Produktionssysteme wirtschaftlich weiterentwickeln lassen.

Denn die Verpackung der Zukunft entsteht nicht erst beim Recycling.

Sie beginnt mit der richtigen Material- und Prozesstechnologie – und damit im Extrusionskopf.

Bekum stellt 2026 auf diesen Fachmessen aus:

  • Colombiaplast, Bogota Kolumbien - Pavillion 11-16, Stand 4884 (28.09.-02.10.2026),
  • ABC Conference, Wheeling Illinois USA - Tisch #1 (05.-07.10.2026)
  • Pack Expo, Chicago USA – Stand W-49104 (18.-21.10.2026)
  • Plastimagen, Mexico City Mexico – Halle B, Stand 2430 (10.-13.11.2026)